Sonntag, 23. September 2012

Engel + Joe - Kai Hermann

Liebe, Probleme, Alexanderplatz und warum der Film so schlecht ist...

"Die verdammte Sonne abstellen. Nocheinmal einschlafen. Null Chance. Die eklige Mischung aus Zigarette,Pille, Alk und diesem Typen. Im Kopf und auf der Zunge. Die zerstückelten Erinnerungen, die keine Ruhe geben."
Hand hoch, wer lag nicht schonmal so im Bett? Gut, lasst den Typen, die Zigaretten, den Alkohol und die Pillen weg und ich kann das nachfühlen. Und so beginnt das wohl schönste, dramatischste Jugendbuch das ich je gelesen habe.

Zu beginn wird der Leser erstmal zu Joe entführt. Joe, die eigentlich Johanna heißt, hat mal wieder exzessiv gefeiert, was dem neuen Freund ihrer Mutter ziemlich sauer aufstößt. Joe ist 15 Jahre alt, wird als sehr dünn beschrieben und bemängelt öfter mal ihre zu kleinen Brüste.
Joe und Mike, der Freund der Mutter, bekommen sich auch relativ schnell in die Wolle, er ohrfeigt sie und ihre Mutter sagt dazu nur: "Das hast du dir selbst zuzuschreiben." Und so beginnt die eigentliche Geschichte.

Joe beschließt abzuhauen, einfach nur weg, keine Probleme, keine Mutter und vor allem kein Mike. Als sie das Haus verlässt trifft sie auf Menschen einer Randgruppe, genauer auf Nazis ( das Buch kam 2001 raus, ich weiß nicht in welcher Zeit die Geschichte spielt, deswegen haben mich damals schon als 14 Jährige die Tatsache verwirrt das es da um Nazis und Punks geht.). Joe will aber ihre Ruhe und geht weiter und trifft auf einen Verletzten am Straßenrand. Er blutet am Kopf und fragt sie nach etwas Kleingeld um zum Krankenhaus zu kommen. Joe gibt ihm Geld und warnt ihn das am Ende der Straße Nazis sind. Er bedankt sich, holt seine Ratte aus der Tasche und Joe wird weich, sie mag Ratten.

Sie denkt auch ziemlich schnell an ihn , zwar nicht sehr positiv, aber immerhin ! Irgendwann ist sie dann auch mal am Alexanderplatz und wird von den Nazis herumgeschubbst, Zorro, der Verletzte von vorhin sieht das und greift ein.

Joe darf bei Zorro übernachten, der in einer Gartenlaube in einem Schrebergarten wohnt, er duscht und Joe denkt darrüber nach ob es wirklich so klug war von zuhause abzuhauen. Wer jetzt denkt, moment mal, das Buch heißt doch aber Engel + Joe , wer verdammt nochmal ist eigentlich dieser Zorro?! Gemach, gemach. Dazu kommen wir jetzt, Joe findet das Zorro aussieht wie ein Engel wenn er grinst und ganz zufällig, also wirklich zufällig heißt Zorro auch mit Nachnamen Engel.

Und es kommt wie es kommen musste, die zwei verlieben sich einfach unsterblich ineinander, es gibt viele Höhen und Tiefen, vor allem Tiefen , da gibt es Seitensprünge, eine Verlobung, Verluste, Neuanfänge, gescheiterte Vorhaben, eine Schwangerschaft und den Tod.

Wer das Buch nicht lesen möchte kann den Film durchaus ansehen, Robert Stadlober spielt Zorro , ABER aufgepasst, es wurde ziemlich viel verändert, die Geschichte spielt nicht wie im Buch in Berlin, sondern in Köln, der Dreh - und Angelpunkt ist also der Dom. Da ich ja kein Filmfreund bin habe ich erst die ersten 10 Minuten von dem Film gesehen und ich mochte Joe nicht, sie haut mit ihrem Hund Asta ab, im Buch hat Joe aber keinen Hund. Auch das Kind heißt im Film anders als im Buch, aber das ist ja auch eher eine Kleinigkeit.

Warum ist das Buch eines meiner Lieblingsbücher ? Ich habe das Buch als 14 Jährige gelesen, und fand es damals schon total spannend wie Menschen sich mit schweren Schicksalsschlägen auseinandergesetzt haben und immer wieder aufgestanden sind um weiterzumachen. Süß, ne? Heute muss ich sagen das ich es teilweise schon etwas kitschig und übertreben finde, aber gerade die Erinnerungen an damals als ich es zum ersten Mal gelesen habe überwiegen und ich liebe das Buch.

Ja, das war mein Wort zum Sonntag, meine Leseunlust klingt langsam ab, aber kein Wunder, die Tage werden kälter, da steht einem der Sinn auch einfach nach einer Decke und einem Buch, und nein, kein Tee und keine Kekse, let's fetz !

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